DolomitenDolomiten — Vom Pragser Wildsee zum HochisDolomiten

August 2017 · Wandern · Reisen & Wandern · Europa


Der Pragser Wildsee gehört zu den bekanntesten Fotomotiven Südtirols. Türkisblaues Wasser, umrahmende Berge, das kleine Bootshaus — das Bild kennt man. Was man weniger kennt: was passiert, wenn man von dort aus aufsteigt.

Wir starteten früh am Morgen, während der See noch in der Stille des Talbodens lag. Das Ziel: der Seekofel, ein Gipfel, der von hier aus erreichbar ist und über den Massenandrang am Seeufer hinausführt. Hinauf bedeutet: raus aus dem Postkartenmotiv, rein in die Dolomiten, wie sie wirklich sind.


Der Aufstieg

Zunächst durch dichte Wälder. Die Dolomiten haben Wald, den viele nicht erwarten — dicht, dunkel, riechend nach Harz und feuchter Erde. Dann öffnet sich das Gelände, Almwiesen tauchen auf, der Weg wird steiler.

Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Perspektive. Nicht nur der Blick — auch das Gefühl. Die Dolomiten sind UNESCO-Weltkulturerbe, und das ist kein leerer Titel: Die Felsformationen hier, Dolomit-Kalkstein, der durch erdgeschichtliche Prozesse zu diesen scharfen, zerklüfteten Formen wurde, sind einzigartig. In der Geologie spricht man von Bleichweißkalk, der durch Magnesium-Anreicherung entstand — sichtbar in der hellen, fast weißen Farbe der Felsen, die im richtigen Abendlicht orange-rosa glüht.


Der Gipfel und die Alpendohlen

Oben angekommen, öffnete sich die Landschaft. Gipfel hinter Gipfeln, die typische Silhouette der Dolomiten: spitze Türme, steile Wände, Täler dazwischen.

Und dann: Alpendohlen. Schwarze Vögel, geschickt in der Bergluft, die kurz nach unserer Ankunft auftauchten und die Situation sofort in Beschlag nahmen. Die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus) ist ein klassischer Bewohner des Hochgebirges, oberhalb der Baumgrenze zuhause, bekannt dafür, Wanderern gegenüber wenig scheu zu sein. Auf dem Gipfel sassen sie quasi neben uns — tiefschwarz vor dem blauen Himmel, ein starker Kontrast zu den hellen Felsen. Perfektes Fotomotiv.


Das Gewitter

Der Abstieg begann ruhig. Dann: Wolken. Schnell, wie das in den Bergen geht. Der Himmel verdunkelte sich, und bevor wir weit unten waren, krachten Blitze in die Hänge. Starker Regen, Donner, das Gelände plötzlich nass und rutschig.

Gewitter im Gebirge sind nicht zu unterschätzen — auch nicht in den touristisch erschlossenen Dolomiten. Wir machten Tempo. Kein Anhalten für Fotos mehr, kein Stehenbleiben für Aussichten. Nur Abstieg.

Angekommen, nass, aber unverletzt.


Südtirol — ein paar Fakten

Die Dolomiten erstrecken sich über Südtirol (Italien), Teile Venetiens und Trentinos. Als UNESCO-Welterbe seit 2009 ausgezeichnet, umfassen sie eine Fläche von rund 142.000 Hektar mit neun getrennten Massiven. Der höchste Gipfel ist die Marmolada mit 3.343 Metern.

Der Pragser Wildsee liegt auf 1.496 Metern Höhe und gehört zu den meistfotografierten Motiven der Alpen — früh morgens, bevor die Touristenmassen kommen, zeigt er sich am schönsten.


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